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Texte


Mädchen, die pfeifen und Hühnern, die krähen. Amoralische Manns-Notate zu einem heiklen Sprichwort, betreffend töchterfeindliche Tendenzen einer bestimmten Sorte Mutter (2008), www.texne.de/bilderm/dokum/astextm.pdf
English translation available:
Whistling girls and crowing hens … Amoral male remarks on a tricky proverb concerning anti-daughter tendencies of a certain species of mothers (translated by Susanne Vollberg, Neuss), www.texne.de/bilderm/dokum/whistlinggirls.pdf

"Mädchen, die pfeifen und Hühnern, die krähen, denen soll man beizeiten die Hälse umdrehen." Ob dieser Klassiker der ländlich-zynischen Pädagogik noch zum Erfahrungsschatz heutiger Mädchen gehört? Schwer vorstellbar. Dennoch meine ich, es sei nicht obsolet, ein solches Sprichwort auf seine geschlechts- und generationsdifferenziellen Phantasmen hin zu befragen. Denn dass ein solches Sprichwort als ernsthaft gemeintes hoffentlich ausgestorben sein dürfte, heißt nicht, dass das Unbewusste, das sich darin äußerte, nicht doch fortdauert, vielleicht zu den Konstanten der Gattung gehört?

Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Zwar ist das Unbewusste einer bestimmten Sorte Mutter durchaus Sujet dieses Textes, nicht aber im Sinn einer (psychoanalytisch allzu gern erhobenen) Universal-Beschuldung. Wer aufmerksam liest, wird ein anderes Moment für gewichtiger halten: das der Entlastung vom internalisierten gesellschaftlichen Anspruch, wie eine Mutter zu sein habe. So geht es eigentlich um den Wahn der Geschlechts- und Generations-Identität, die auf ihre innere Dialektik hin zu befragen ist.

Thesen zur Finanzkrise 2008 (2009)
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Worum wird es in philosophischen "Thesen zur Finanzkrise 2008" gehen? Nicht um einen Beitrag zur Wiederherstellung der ökonomischen Funktion. Dafür sind andere Disziplinen zuständig. Auch nicht um Fragen der Wirtschaftsethik, dieser trügerischen Werbeagentur der Güte ihrer selbst, die an der Dialektik des Werts, der Not seiner Durchsetzung beim Anderen, der ihn nicht zu teilen gedenkt, scheitern muss. Philosophische Thesen zur Finanzkrise betreffen vielmehr die Philosophie selbst. Philosophie hat sich zu denken als das Wesen der Krise, die als Vertrauenskrise eine Selbstdarstellung der technisch-medialen Realisierung von Aufklärung ist.
Notiz zum "nicht-gelebten Leben" (2009)
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Ein Text aus dem Kontext des Hauptseminars "Philosophie der Gewalt" von Christoph Weismüller an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Sommersemester 2009): "Die Frage, was es mit dem Topos des 'nicht-gelebten Lebens' auf sich habe, stellte sich im Anschluss an eine Definition des Seminarleiters: Schuld, das sei der nicht-gestorbene Tod. Wäre demnach das nicht-gelebte Leben die Sühne?"
Thamyris - die Mythe der Neuen Musik
Was resultiert, wenn ein Musiker, der sein "Gedächtnis für den Gesang", die Gabe der Musik(alität), verloren hat, zudem aber geblendet ganz auf den Klang zurückgeworfen ist, nur noch akustisch sich orientieren könnte, aber dieses gerade nicht vermag, wenn ein solcher Musiker also noch Musik zu machen versucht? Müssten nicht genau solche Klänge resultieren, die nächtlich im erinnerungslosen Tiefschlaf den Vorhang des blinden und ungehört lärmenden Übergangs zum Traumbild aufziehen, und die in aller Regel nur als nachgeträumte unbewusste Suche nach dem, was das Weckende gewesen sein mag, also als ein a-memorial Entzogenes im vorbewussten Nichts verbleiben? Müsste nicht das resultieren, was unter dem Titel "Neue Musik" in der Nachkriegszeit verstörende Entzugserfahrungen, die Traumatik der Konstitution von Gedächtnis, sowohl im seriellen wie im aleatorischen Extrem darzustellen versuchte? Dieser dritte Text aus meiner Feder zur (entzugsmimetisch fragmentarisch knapp) überlieferten Thamyris-Mythe fasst meine, auf der pathognostischen Musiktheorie beruhenden, schlaf- und musikphilosophischen Entschlüsselungsansätze zusammen.
Selbst ist der Traum
Traumdeutungsproben 
Sechs gedeutete Träume (Fortsetzung vorbehalten), deren Auslegung um die Fragen der Selbstreferenzialität des Traums, des träumend-repräsentierend abwesenden Körpers und des träumend stets mit dargestellten Weltuntergangs, den das Erwachen für den Traum herbeiführt, kreist:
  1. Laurentiustränen: Ein nächtliches Picknick mit einer Schulklasse in einem Park am Rande eines Industriegebiets. Blick zum Himmel, ein Sternschnuppenschauer, der sich zum apokalyptischen Meteoritenbombardement auswächst.

  2. Immer Ärger mit dem Erwachen: An einer Bushaltestelle nahe der Wohnung der Eltern, ein holografischer Tyrannosaurus stapft auf mich zu und ich weiche bäuchlings schwebend aus, merke daran, dass ich träume und will nun bewusst erwachen, ohne es zu können, weil ich, wie sich dann herausstellt, tatsächlich in der Rückenlage geträumt hatte, was nicht zur geträumten Bauchlage passte.

  3. Fäcker-Konstellation: Ein Zeitungsboten-Traum, in welchem mein verstorbener Vater und ein nicht existentes Sternbild, das als Stadtplan und Straßenschild fungiert, aufgeboten werden, um die Arbeitsaufnahme zu verhindern.

  4. Neurogermanistin: Ein sehr kurzer Traum mit zwei (relativ banalen) Erkenntnissen: a) dass das träumende Gedächtnis eine Art Mülleimer sei, und b) dass die Philosophie im akademischen Betrieb auf verlorenem Posten steht.

  5. Eine Sache der Vernunft: Eine Totentagung mit Dietmar Kamper und Ernst Jünger im Bordell. Jünger zieht über Jürgen Habermas her: Es könne gut sein, dass die kommunikative Vernunft bei Habermas nur dazu diene, außerehelichen Sex zu legitimieren, Lust sei in der Theorie des kommunikativen Handelns nur eine Sache der Vernunft. Kamper muss sich dafür einer, auf Barbie-Größe schrumpfenden "neuen Feministin", die nach einem genealogischen Statement zur Finanzkrise fragt, erwehren. (Und der Träumer wird für die Frechheit seines Traums mit einer Erkältung bestraft.)

  6. Als (viel zu lange) Zugabe ein Eisenbahntraum: zunächst jagt der Träumer als verschlafener Schaffner im Bahnhof einem Hund hinterher, später arbeitet er bei einem Reparatur-Trupp an der Elektrifizierung der Bahn mit. Ein älterer Text von mir, der mindest so langatmig geraten ist, wie der Traum es war.

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