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Neurogermanistin |
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Traum vom 4.5.08, einzig erinnert: das Traumfinale, in welchem mir eine neuro-literaturwissenschaftlich arbeitende Dozentin sagt, dass meine vorherige These nicht sehr originell sei: „Mülleimer als Metapher für Gedächtnis“ sei ein durchaus gebräuchlicher Topos in der neueren Literatur. Dabei geht sie von der Tafel zu einem anderen Seminarteilnehmer, der zu meiner Linken und wie ich in der ersten Reihe sitzt, als wenn mir meine Isolation in dieser Frage demonstriert werden solle. |
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Ein Traum am Ende des Mittags- und Verdauungsschlafs und also mit der Abarbeitung dieses somatischen Phänomens befasst. Die körperliche Komponente dieses Traums.
Wobei der Traum die Erkenntnis dessen (und demnach auch das Fühlen des Somatischen selbst) bannt, indem er
Ein Tagesrest kann angegeben werden: Vormittags hatte ich in einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift einen älteren Artikel über die neurowissenschaftliche Erforschung des Gedächtnisses gelesen beziehungsweise überflogen. Die geistige Komponente des Traums.
Diese Kondition, die Referenz auf besagte Lektüre, wurde ausgelassen, weil das Traumunbewusste unabhängig von diesem Tagesrest eine allgemeine Gültigkeit der reklamierten Metaphorik ahnt, da nämlich es selber unter der Drohung steht, dass nicht bloß der Mülleimer geleert wird (= dass der Traum endet), sondern dass dereinst der Mülleimer selbst mit entsorgt wird: die Überantwortung des Gedächtnisses an das finale Vergessen seiner selbst, an den Tod, das Nicht-Gewesen-sein-werden.
Ein böser Witz der Selbstanwendung, die der Traum aber mir, und deshalb darf ich im Traum memorierend/erinnernd dabeisein, aufhalst:
Die These ist meine These.
Ich habe aber vergessen, dass sie es ist; mein Mülleimer ist leer. Es muss mir gesagt werden:
— und die diese Entnahme selber noch einmal abbildet, da ja der gelesene Text als verdinglichtes Gedächtnis selber ein Mülleimer und die Lektüre zu seiner Entleerung führte: zum Beschluss, dass dieser Text für mich keinen Erkenntniswert habe, quasi schon entleert ist.
Müll stammt von mahlen und meint eben „Zermahltes“, „Zerkleinertes“, hier also die Zerstörung des Zusammenhalts, wie widermemorial.
Und widermemorial kündigt folglich die Geisteswissenschaftlerin den Zusammenhang (auch das ein "durchaus gebräuchlicher Topos": die Tochter-Frau als [freilich zerstörerisches] Medium der Männer) der Disziplinen, den sie selbst bereits zu sein ja behauptet. —
Neuro-Literaturwissenschaft! Da haben sich zwei gesucht und gefunden!
Tatsächlich kommen beide auf ihre Kosten:
Spätestens seit Parmenides gehört zum philosophisch-genealogischen Wissenskanon, dass die linke Seite weiblich und die rechte Seite männlich ist. Aus der Sicht der Neurogermanistin ist die Philosophie links, also weiblich, positioniert. Die männliche rechte = richtige Seite ist die der patriarchalen Ordnung, derer die Dame, siehe oben, bedarf, um eine feste Position zwischen
einnehmen zu können:
Vor uns also: die als
töchterlich-weiblich personifizierte Geisteswissenschaft,
die sich vom Diskurs mit der aus ihrer Sicht auf der linken Seite befindlichen und deshalb
fillial-weibisch personifizierten Philosophie
verabschiedet und zur rechten hinwendet, zur
männlich-väterlichen (von wegen!, aber das, die ödipal-filliale Position von Technik und Wissenschaft, ist ein Thema für sich)
Naturwissenschaft.
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Abschließendes zum geträumten doppelten Vor-Wurf, erstens der These selbst (an die Adresse des Gedächtnisses: du bist nur ein entleertes oder mit Müll gefülltes Gefäß) und zweitens ihrer selbstreferentiellen Vertretung (du bist nicht originell, also selber, was du mir, deinem Gedächtnis, vorwirfst):
Radikalisiert ist und leistet das Sterben die völlige und mit der Feststellung des Hirntods keineswegs abgeschlossene Entleerung aller Speicher, womit zugleich geklärt wäre, warum die Mythologie des Sterbens vor solchem Übergang die verdichtete Erinnerung des eigenen Lebens am inneren Auge vorbeiziehen soll: als letztes Aufgebot aller memorialen Kräfte, das das Abgewehrte des totalisierten Verschwindens des Gewesenen beglaubigt.
Die totale Erinnerung leistet jedoch im magischen Versuch, sich in der großen letzten Indifferenzierungsbewegung, der Beseitigung aller Differenzen und jeglicher Feststellbarkeit drohender Indifferenz, zum Tode hin in der Differenz zu halten, das genaue Gegenteil: erleichtert das Sterben in einer Art sentimentaler Versöhnung mit der reißenden Zeit, die als verdichtetes Leben implodiert. Ausleerung des Gedächtnisses als totale Erinnerung im Moment ihrer letzten Preisgabe.
Und umgekehrt und präzise genau führt die Entleerung des memorialen nächtlichen Mülleimers, als welchen sich also dieser Traum träumt, zu seiner Erinnerung, mehr noch, zu seiner sekundären Bearbeitung, zum fortgeschrittenen Recycling des Mülleimers aus Müll: der neueren Literatur.