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Laurentiustränen (23. 12. 07) |
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| Sommernacht, mit einer Schulklasse, vielleicht 6./7. Schuljahr, wohl auch mit der Lehrerin dieser Klasse, zum Picknick auf/bei einer Parkbank. In der Nähe große dunkle INDUSTRIEANLAGEN. Blick zum nächtlichen Sternenhimmel. Sehr viele Sternschnuppen sind zu sehen. Ich überlege, welcher Meteorstrom es wohl sein wird (Leoniden?). Schräg schießt ein besonders großer Meteor über den Himmel und fällt Richtung Nord-Ost auf die Erde. Am Ort der nicht gehörten Detonation, in sehr weiter Entfernung: ein dunkelrot/-orangener Feuerball. Mit Schrecken registriere ich, dass viele Lichtobjekte am Himmel in Wahrheit solche raketenartige Geschosse sind, die auf die Erde zurasen. Von links hält ein solches Geschoss direkt auf uns zu, fliegt über meinen Kopf hinweg und schlägt, eine große Erdwelle aufwerfend, aber ohne zu detonieren, etwa 20 Meter rechts hinter mir in den Boden. Alle erschrocken, aber keiner verletzt. Ich gehe zum Krater, um zu schauen, ob es sich um ein Raketenbruchstück, um Krieg, oder um einen Meteoriten, eine Naturkatastrophe, handelt. Im flachen Krater ist ein etwa eineinhalb Meter langer Steinbrocken zu sehen und mir ist sofort klar, dass dieses nur ein ganz kleines Bruchstück ist. Ich rufe die Jugendlichen in ein rückwärts gelegenes Waldstück zusammen, um zu beraten, wie wir uns nun verhalten sollen und beauftrage zwei Jungen, rechts und links vor mir hinter zwei Bäumen Stellung zu beziehen, den Himmel zu beobachten und uns gegebenenfalls zu warnen. Die VERGEBLICHKEIT dessen stellt sich sofort dar: es ist nämlich unterdessen hell geworden und der Himmel ist wolkenverhangen, so dass die Meteore vor ihrem Einschlag gar nicht mehr zu sehen sein würden. Erwachen. |
| Sinnvollerweise träume man um des vorbewussten Unterscheidenkönnens von Träumen und Wachen willen (und auch als freudsche Wunscherfüllung) im kalten Winter von einer lauen Sommernacht und im heißen Sommer von einer eiskalten Winternacht. |
| (Nur dass selbstverständlich Träume sich nicht immer an solche Empfehlungen zu halten pflegen.) |
| Was ist aber der Unterschied von Sommer- und Winternacht in Bezug auf den Traum? |
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Die Winternacht ist die lange Nacht. Geträumte Winternächte behaupten demnach in Abwehr schnellen Erwachens die Dauer des Schlafs und also auch die Dauer des Traums. Ansonsten zitiert der tiefe Winter den Tiefschlaf. Die Sommernacht hingegen ist der sich darstellende Kompromiss des paradoxen Schlafs: Sommer, die helle Jahreszeit, und dunkle Nacht emulgieren zur labilen schlafumhüllten inneren Lichtung des Traums. |
| Was war zuerst: der Tag oder die Nacht? Natürlich die Nacht, das einkassierte Weltverhältnis in totalisierter Unsichtbarkeit, aber das kann nur im Wachen, wenn es also bereits tagt, gesagt werden. Wohl deshalb setzt dieser Traum vor die Nacht den Sommer, weil die Nacht anfänglich als Nacht geträumt wird, das Problem "gesehener Dunkelheit" mittels der Selbstdeutung des Traums nunmehr ignoriert werden kann. |
| Sommernächte sind kurz, lau und laut. Man bleibt lange wach, schläft nicht wirklich tief und wird dann auch noch früh geweckt. So stellt sich, im Dezember geträumt, die Weckung in den Traum als eine deplazierte dar, deren Zeit noch nicht gekommen ist. |
| Wer hat geweckt? Niemand, es ist einfach nur eine Sommernacht, behauptet das Gedächtnis der Traumrecherche. Es ist halt das erste Bild der Traumerinnerung. |
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Wie jetzt, ungeschaffen soll die laue Sommernacht sein? Ungeschaffen der Traum? Das kann nicht sein und so war es auch nicht. Das Kompromissgebilde Traum ist ein Gemachtes. Nachträglich als der Traumrapport (die sekundäre Bearbeitung) und im Phänomen selbst als Versuch der Hütung des Schlafs. Und diese sich träumend aufschaukelnde Not der Hütung muss (und kann auch nur) anfänglich im Tiefschlaf als dessen Selbsterschöpfung initialisiert worden sein. (So dass das Geträumte selbst schon eine sekundäre Bearbeitung ist, eine versuchte Reparatur am Entzogenen des Tiefschlafs.) |
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Was genau im Tiefschlaf geschieht/geschehen sein mag, ist freilich verborgen/vergessen. Man kann nichts unmittelbares darüber wissen. Man kann jedoch aus dem, was im Träumen (und im Wachen, etwa in den Medien, in Technik, in Mythos, Wissenschaft und Religion, in Kunst, vor allem in Musik) wahrgenommen wird, das Wichtige rekonstruieren: |
| Was geschieht im Tiefschlaf? Das, was nachfolgend in den ungehörten Detonationen (sprich: De-Tonationen) magisch gebannt ist: Klang, "ungehört/nur gehört" (Heinz), gebannt aber als visuelle Verkehrung: "ungehört/nur gesehen". Dieses das Initial des anfänglich geträumten Bilds, das später in der nur gesehenen Explosion sich explizit benennt. |
| Anders als das Sehen, ist das Hören nicht ein reiner Fernsinn, sondern das Gehörte bricht als Indifferenz von Identität und Differenz in die Wahrnehmung ein. Deshalb ist es von den Fernsinnen das Hören, das im Schlaf die Verbindung zur Außenwelt hält, der Sinn, der die Grenze der phantasmatischen Einheit des Traums – die vor der Außenwelt abschirmt, indem sie jene selbst bereits zu sein vorgibt, eben jene träumt – zu überschreiten, "um die Ecke zu sehen", vermag, dieses aber um den Preis schneller Weckung und also als etwas, das (zum Zweck der Schlafverlängerung jedenfalls) visuell zu bannen, zu dämpfen ist. |
| Erstes Bild einer lärmenden Weckungsbedrohung des Traumschlafs ist die Schulklasse. Junge Menschen, Zwölfjährige, für deren Unversehrtheit offenbar der Träumer verantwortungsvoll zu sorgen hat. |
| Verantwortung erinnert an Bedrohung. |
| Es droht das weckende druckablassende Verlautungs-Chaos der jugendlichen Anarcho-Bande. |
| Aber nein, sie waren im Traum ganz brav. Nur warum wohl? Zum einen natürlich, weil hier das Picknick als Dämpfung eingeführt wurde: Wer den Mund voll hat, kann nicht lärmen, mit vollem Mund macht man keinen Stress (na ja ...). |
| Zum anderen aber, weil die besagte erinnerte Bedrohung Selbstbedrohung ist. Weil die drohende Anarchie der Zöglinge als drohende Aggression des Traums gegen den Träumer immer auch sogleich die Aggression des Traums gegen sich selbst als die Aggression des Träumers gegen die geträumten Anderen ist. |
| Allein schon, dass es sich um eine Klasse und nicht um einen einzigen Schüler handelt, sagt, wie die Lehrerin, deren nur vermutete Anwesenheit nicht bloß die Schüler dämpfen soll, was Sache ist: Zirkel der Aggression des Traums, der sich spaltet in den Träumer und das Geträumte, wider diese seine Nicht-Einheit, die das Gewecktsein, das sich dieser Aggression verdankt, mit sich bringt.
Und dieses wiederum verdoppelt/gespalten und gedämpft in der hypothetischen Nachstellung des Träumers, der die Anspannung der Nicht-Einheit des Traums zu entladen hätte und zwar gegen die weckende Abspaltung seiner selbst als Jugendlicher, der sofort aber – zum Zweck der Pazifizierung der resultierenden Aggressivität des Träumers – multipliziert, gleich eine ganze Schulklasse ist, womit das Malheur der Nicht-Einheit ebenso multipliziert ist, womit die aggressive Spannung ansteigt und damit die Not ihrer Dämpfung und so weiter. |
Eben deshalb muss die Notbremse gezogen werden, die geträumten Klone meiner selbst, die Geister, die ich rief, müssen weg.
Durch den Träumer ist dieses nicht zu bewerkstelligen.
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Geht aber auch nicht, dann müsste der Träumer sie, weil sonst das Chaos ausbräche, das verhindert werden soll, schützen.
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| Dumm nur, dass mit den Jungen dann auch der Träumende erschlagen werden kann und damit der Traum selbst.
Denn anders als im richtigen Leben sind im geträumten grundsätzlich die Täter und die Opfer von Aggression identisch: nämlich als Geträumte vom Erwachenstod bedroht. Einzig als Traumerinnerung könnten sie überleben. |
| Erinnerung aber ruft nicht bloß das, was gerade abwesend ist, zurück ins Gedächtnis. Erinnerung erinnert stets auch daran, warum das Abwesende abwesend ist, Erinnerung memoriert das sie bedingende Opfer. |
| Der Ort der Erinnerung (versus des Gedächtnisses) wird hier nun geträumt als Park.
Park ist Erinnerung von Natur als deren Simulation. Park ist kulturelle Simulation von Natur; Träumen aber ist naturale Simulation von Kultur. Die Parkbank, die zum Verweilen einlädt, verheißt, wie auch das Picknick die Erholung (vom Lärm des Tiefschlafs) und Wiederherstellung des Körpers. So ist das eigentliche Opfer benannt: der im Traum abwesende weil "draußen" regungslos schlafende, ungefühlte Körper, der aber als Gesamt der Traumlandschaft in dieser mit seinen unterschiedlichen Funktionen abgebildet und erinnert wird. |
| So ist der Park Ort der Vermittlung von Natur / Körper (♀, maternal) und Kultur / Geist (♂, fillial-ödipal), der Ort, an welchem das ödipale Philosophen-Subjekt sich träumend der Sichtung der menschlichen (à la Rudolf Heinz: mänschlichen) industriell-automatisierten (= menschenkörperlosen) (Re-)Produktion und des (Re-)Produktionsbegehrens wohl widmen wollte. |
| Park und Traum als Versöhnung von Kultur und Natur, Schein der Wiedergutmachung oder wenigstens doch der Ermäßigung der industriellen Naturzerstörung? Was träumend ja nichts anderes heißen kann, als dass die also intendierte Verhinderung des Körperopfers im Dienst der Verlängerung desselben steht: Wird nämlich das Opfer des geträumten Körpers ausgesetzt, so wird ja parallel dazu das unerkannte aber faktische Opfer (die Abwesenheit) des realen, im Bett, "draußen", regungslos (mit Ausnahme der Augenbewegung) schlafenden Körpers fortgesetzt. In Wahrheit schließt gerade der Park aus, womit er versöhnen soll. Eben dieses kommt aus dem letzten Refugium verdrängter ungezähmter Natur, der Tiefe des Raums, zurück: als kosmisches Bombardement. |
| Nicht ist der Park als die Idylle, als das kleine Paradies inmitten der industriellen Hölle, zu idealisieren, keineswegs seine kompensatorische Funktion im schlimmen Ganzen zu übersehen. Park ist Museum und Friedhof der zerstörten Natur, leugnet sowohl die Gewalt der Natur selbst als auch die ihrer Zerstörung. Unabdingbar gehört der Park zu den Industrieanlagen selber, die durch ihre räumliche Größe den Begriff absorbieren: als Industriepark. |
| Der Park als Schonung (im Sinne Heideggers) soll der industriellen Selbstzerstörung der Kultur als Ort der Erholung wehren und gleichzeitig die Selbstzerstörung der Natur verleugnen. So ist der Park in Wahrheit kein Ort der Schonung, sondern bloß ein Ort der Verlängerung der basalen Selbstzerstörung (der Entropie) durch ihre Leugnung. Die Vermittlung steht im Dienst der Extreme, die sie ermäßigen soll; als Negentropie dient sie der finalen Maximierung der freilich per se stets maximierten Entropie. |
| Die dunklen großen Industrieanlagen imponieren als stummes Bild der weckenden Verlautung. Industrieller Lärm ist monotoner Lärm. Monotonie aber, die auf Dauer gestellte Wiederholung einfacher Rhythmen, ist einschläfernd, zielt auf die Überbrückung des weckenden Einschnitts des einzelnen Geräuschs. Dieses wohl hat der Traum mit den Industrieanlagen anfänglich im Sinn. Kaum aber verliert das durch Monotonie redundant gewordene Geräusch seine Bedrohlichkeit zum Nulltarif: der Schlaf muss gleichwohl den Zusammenhang der Monotonie, das "Mono", herstellen, weckend und einschläfernd, memorial und a-memorial, zugleich, welche Anforderung die zur nächtlichen Rekreation nötige Energie mindest teilweise absorbieren wird. So unklar nun sein mag, ob während des Traums realer monotoner Lärm überspielt werden musste oder nicht, so sicher können die stürzenden Sterne und die stummen Einschläge als exakte Darstellung genau solchen monoton-überhörten Lärms verstanden werden. |
| Die geträumten Industrieanlagen als nachträgliche Bearbeitung von Lärm transportieren die akustische Weckungsenergie in den sie absorbierenden Traum hinein, rufen den Lärm der Traumproduktion als stumme unbewusste Erinnerung zurück ins Gedächtnis. Als diese Weckung stehen die Anlagen gänzlich auf der Seite des Erwachens. |
| Als Verlautungsort und vor allem als Ort der Produktion meinen die Industrieanlagen jedoch den Tiefschlaf. Es ist der Blick des Traums auf seinen Ursprung, seine Produktion. Es ist dieses das Begehren des Traums, sich seines Ursprungs habhaft zu werden, um über sich selbst die volle Disposition zu haben, um ewig zu dauern, absolut zu sein. Dieses Begehren stammt aber zirkulär, wie jetzt zu zeigen ist, aus den Konsequenzen dieses Begehrens, ist eine Reaktion auf die Kränkung der dialektischen Umwendung seiner notwendig misslingenden Realisierung: Da der Traum das bereits Produzierte ist, das seinen Ursprung doch längst hinter sich hat, kann er gar nicht mehr seinen ihm entzogenen Ursprung träumen. Er vermag nur noch nicht-ursprünglich sich als fortgesetzte Produktion von Weckung (nicht mehr bloß in den Traum hinein sondern aus ihm heraus) nachzuträumen. |
| Deshalb – weil der Traum etwas darstellen will: sich als ein Absolutes, was er gar nicht darstellen kann und auch nur deshalb darstellen will, weil er es nicht kann – sind die Anlagen groß, das heißt: außerhalb der Dimension des Traums, zu groß für ihn und also ihm entzogen (außer auf der Metaebene dieser Vorstellung: auf der Ebene des träumenden Subjekts, das hier identifizierend, "sieh an, das sind Industrieanlagen", zu sich kommt) und, weil entzogen, auch dunkel. So sagt der Traum gegen das eigene Begehren als erstes und in diesem Sinn eines verfehlten Ursprungs gleichwohl anfänglich-"ursprünglich", dass die Natur der Sommernacht im Park, als die er sich selbst träumt, kein Ursprüngliches ist. Ursprung ist ein Gemachtes: ein industriell gefertigtes Produziertes, eine Ware. Natur ist eine Ware. Ursprung ist die Industrie und der Träumer und die Schulkinder sind davon abhängige Konsumenten. |
| Die Industrieanlagen sind groß und dunkel. | |||||||||
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Der Nachthimmel aber ist größer und dunkler. |
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| Das, was in den Industrieanlagen geschieht, ist dem Blick entzogen, könnte aber durch eine Inspektion in den Blick genommen werden. | |||||||||
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Das Entzogene des Nachthimmels aber ist und bleibt stets entzogen und keiner Inspektion zugänglich. Deshalb ist der Himmel
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| Die Industrieanlagen mögen wohl betäubend laut gelärmt haben, so dass sie nun nicht mehr gehört und nur noch gesehen werden können. | |||||||||
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Der Nachthimmel aber lärmt so unermesslich laut, dass nicht nur das Hören ausgeschaltet ist, sondern auch das Sehen betroffen wird. Denn keineswegs erglänzt bloß in der unendlichen Schwärze das Sternenmeer, was in hiesigen Breitengraden auch nur noch in Planetarien gesehen und als Krisis des Sehens erfahren werden kann, sondern die Sterne ziehen gerade wegen der Instabilität des vom Sterngewimmels überforderten Blicks in Schwärmen über den lautest-lautlos-körperlos-vibrierenden Himmel und beginnen schließlich – die besagte Instabilität nicht mehr bloß darstellend, sondern nun auch ausführend – kollektiv herabzufallen. (Vielleicht ein somatisches entoptisches Phänomen?) |
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| Was ist das Problem dieser subjektkonstitutiven Transformation des nicht Gehörten in das instabil Gesehene? Das Sehen, so formulierte es einst Rudolf Heinz in einer Vorlesung, sei die sichernde Antizipation der Bewegung. Blicke ich nun in den Himmel, so entfällt natürlich die nachfolgende Bewegung und also auch die Sicherungsfunktion des Blicks, die sich, traumlogisch rigoros, folglich in ihr Gegenteil verkehrt: als das Naturerhabene dieser gefährlichen, überhaupt nur in der Nacht erlaubten Sicht auf den Ursprung des Lichts, auf die Sicht des keineswegs blinden Universums auf mich, den Sehenden. | |||||||||
Auf deutsch: Wenn ich nicht in den Himmel gehen kann, muss eben der Himmel zu mir kommen. |
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| Die Landschaft eines Traums mag nicht immer, manchmal aber doch und hier ganz bestimmt, und zwar speziell in Bezug auf die angegebene Himmelsrichtung, von Bedeutung sein. Die angegebene Himmelsrichtung ist die des ersten Einschlags im Nordosten. Nordosten ist wieder so eine Mischung aus Licht und Dunkel, denn der Norden ist die Region, wo die Sonne niemals am Himmel steht, die Region der Dunkelheit und also der Nacht, und die Sonne geht bekanntermaßen im Osten auf, im Sommer auch etwas näher am Nordosten, so dass der Nordosten als die Region des frühen Morgens und also des Erwachens und kompromisshaft zwischen Nacht und Tag als Region des morgendlichen Traumschlafs gelten kann. Und genau hier also die Explosion des vom Westen, vom Ort des Sonnenuntergangs, des Abends, gesendeten Geschosses. | |||||||||
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Wenn aber der Feuerball in weiter Entfernung im Nordosten zu sehen ist, so befindet sich der Träumer im Südwesten.
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Es fällt auf, dass die Winkel des Welttableaus (NW, NO, SW, SO) irgend als Verstecke des Entzugs fungieren.
Die Hauptrichtungen des Weltenkreuzes (N, O, S, W) hingegen sind deutlicher konturiert, Ost und West durch die Gebäude der Produktion (im Westen: Produktion des Erwachens aus dem Tiefschlaf, im Osten: Produktion des Erwachens aus dem Traumschlaf heraus), der Norden durch die, den Blick zum Himmel lenkende Produktion der Nacht, der Süden durch die Produktion der Erholung als Erhaltung des Traums. Der Tiefschlaf (Westen, sich in den Nord- [Tiefschlafs-/Entzugs- als Welt-Repräsentation] und Südwesten [Traumschlafs-Repräsentation als "dabei-seiendes" Subjekt] aufspaltend) ist implodiert und setzt so das Bild seiner Implosion als raum-/visualitäts-generische Explosion (als Osten, sich in den Nord- [Tiefschlafs- als Erwachens-Repräsentation] und Südosten [Entzugs- als Wachens-Repräsentation] aufspaltend) frei. Der Traumschlaf repräsentiert dieses nachträglich als ferne Explosion. Himmlischen Ursprungs, also vom Tiefschlaf-Westen als Ort des ersten Erwachens her, ist jedoch die nordöstliche Explosion nicht die des Geschosses, wie das zweite Geschoss beweisen wird, sondern die von irgendwelchen explosiven Stoffen, die am Ort der Explosion gelagert waren. (Auch wenn der Träumer dieses nicht bewusst folgerte.) Was bedeutet dieses? Was bedeutet es, dass anscheinend in den Industrieanlagen Sprengstoff gelagert wurde? Die pathognostische Verschwörungstheorie der Selbstreferenz jeden Traums besagt hier, dass die Industrieanlagen, die höchste menschliche Rationalität, und der Himmel selbst, die höchste göttlich-entzogene Naturalität, unter einer todestrieblich-suizidalen Decke stecken. Unter einer Decke aber heißt: Nicht-Einheit, Differenz, Verschiedenes (und zwar inmitten der Indifferenz des Unbewussten). Das drohende Ende, das durch seine Androhung verhindert werden soll, kommt zunächst aus dem ganz anderen, dem Himmel, dem Entzogenen, Unsichtbaren, aus dem, was stets jenseitig liegt. Es kommt aber als Geschoss, also als Repräsentiertes, mitnichten Entzogenes, als Diesseitiges und so dann auch als Nicht-Himmel. Zum einen verschärft sich nun die Bedrohlichkeit durch die Einlagerung des Todes in den Industrieanlagen, andererseits entschärft sich gerade dadurch die Bedrohlichkeit der himmlischen Geschosse, dargestellt im zweiten, nicht explodierenden Einschlag. So repräsentieren sich innerhalb des Traums dieser als die todestriebliche Verfassung der Industrieanlagen, sein Rahmen (Tiefschlaf und Erwachen) als Exteriorität der himmlischen Suizidalität und das Ganze wiederum im Dienst der passageren Traumerhaltung. Was heißt: An deinem Tod arbeiten nicht nur die Anderen. Dein Tod ist immer schon in dir eingelagert, eingesperrt, und wartet nur darauf, gezündet zu werden. |
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Der Träumer nun bewegt seinen Blick und dann auch sich selbst quasi kontralinear/zirkulär:
Die so vollzogene Selbstumkreisung des Träumers, im Uhrzeigersinn, als Mimesis des Sonnenlaufs: ein hilfloser Versuch der Produktion eines selbstreferenziellen Inertialsystems, das verhindern soll, dass die Vektoren des Tiefschlafs und die Vektoren des Erwachens sich relativistisch als dasselbe erweisen. |
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| Und nur deswegen die erste Explosion im Nordosten. | |||||||||
| Was am Anfang vorgegeben wird, die Schulklasse, die Industrieanlagen, der Nachthimmel mit den Sternschnuppen, verlangt die Passivität des visuell überforderten Träumers, der erst einmal vollauf mit der Orientierung beschäftigt ist. Diese erzwungene Passivität des Träumers aber befreit den Traum von der Not, sich wahrend auf das Verhalten des Träumers zu reagieren. | |||||||||
| Deshalb aber kommt der Traum in die Not mangelnder Not, in die Not einer Erstarrung, die nicht währen kann, weil es in der Erstarrung kein immanentes Messsystem und also auch keine (immanente) Zeitdauer mehr gibt, so dass das Ende des Traums mit dem Beginn der Erstarrung, zu der es aber nicht mehr kommen kann, zusammenfällt. | |||||||||
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Deshalb wiederum muss nun der Traum in sich selbst auf sich selbst reagieren und das heißt, er muss sich in sich selbst spalten, um gegen sich selbst als gegen sein in sich abgespaltenes Anderes/Selbes vorgehen zu können. Er muss auf sich selbst als auf ein zweites (und dieses auf ein weiteres und so weiter) reagieren: |
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| Zunächst als explosive Reaktion auf die mürrische Verweigerung des Träumers, im angebotenen Vermittlungsspiel (Park, Schulklasse, Picknick) mitzuspielen (es wäre ein gänzlich anderer Traum geworden, wenn der Träumer, statt in den Himmel zu blicken, die Schulklasse mit der Suche nach der offenbar verloren gegangenen Lehrerin beauftragt hätte),
und zwar als Androhung der Explosion des Traums, diese in der Ferne, also traumsichernd, aufführend – "da siehst du, Träumer, was mit uns beiden geschehen wird, wenn du nicht mitspielst und mir, deiner Traumwelt, die ganze Arbeit nicht bloß der Produktion von Verschiebung, sondern auch noch die der Produktion der Motivation zur Verschiebung auflädst" –, sodann, da der Träumer hilflos in seiner Passivität (vielleicht auch in einem heimlichen Genießen dieses negativ-erhabenen Schlachtfelds befangen?) verbleibt, als quasi letzter Warnschuss vor den Bug, beziehungsweise gerade hinter den Bug, damit der Träumer endlich reagiere und als Akteur das Spiel in der Um- und Zuwendung zur Klasse, die das eigentliche Ziel des Geschosses war, auch mitspiele, auf dass es währe, durch die große Erdwelle, die wie ein umgekehrt fallender (also aufwerfender) Vorhang den veri-/falsifizierenden Blick abweist und anlockt, und den Steinbrocken besagend, dass, wer dem Himmlischen sehend das Seins-Geheimnis entreißen will (warum ist etwas und nicht nichts?), nur Irdisches zu sehen bekommt: tote Materialität, Seiendes, Repräsentatives, Selbstreferenzielles. |
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Mehrere Begriffe von Natur sind träumend dargestellt. So der Park: Natur1 als ein kulturell Gemachtes. Der Steinbrocken: Natur2 als ein kulturell Definiertes, hier speziell als Negativ von Kultur. Der Himmel: Natur3 als kulturell gedachter höchster Entzug, als Gott, vor dem alle menschliche Kultur zu Natur regrediert, der Hauptbegriff von Natur: Natur4 als die der Kultur selbst: als Industriepark und verdichtet als explosive Stoffe, als Kriegstechnik. Behauptet ist, dass in diesem Traum Industrie und Natur letztendlich indifferent, το αυτων, sind, als Natur4 im suizidalen Begehren der Falsifizierung des Todes durch den Austrag der Selbstzerstörung als erhabenes Kriegs- und Katastrophen-Szenarium, zusammenfinden. (Wobei das Begehren nicht bloß das eines Subjekts sondern seins-immanent ist.) Verdichtet findet dieses seine Repräsentation in der ersten Explosion: Natur1: das, was explodiert, Natur2: das, was die Explosion auslöst, Natur3: das, was das Explosive und die Zündung zusammengebracht hatte, Natur4: die Explosion selbst als Repräsentation von Natur1,2,3. Nun entscheidet sich der Traum mit und nach dem zweiten Einschlag eindeutig für die Naturkatastrophe. Warum noch unter der Bedingung der Indifferenz von Natur und Industrie, von Katastrophe und Krieg? Was würde resultieren, was wäre anders gewesen, wenn es sich um Krieg, um eine Rakete oder einen entsprechenden Rest, angeschmolzenes Metall etwa, gehandelt hätte? Der naheliegende Grund dürfte sein, dass der Steinbrocken nicht noch nachträglich explodieren wird, weil eben das Sprengmaterial fehlt. Eine zerborstene Rakete wäre ein Blindgänger, von dem – zusätzlich zum weiteren Bombardement – die Gefahr der Traumzerreißung ausginge. Es scheint, dass hier der Traum Panik vor der Panik bekommt, die er aufrief. Die Panik hat aber den Rechtsgrund, dass eine den Träumer erwischende Explosion das sofortige Ende des Traums bedeutet, für das, wie übrigens der geträumte Erwachensärger deutlich zeigt, der abgeschaltete Schlaf-Körper aber gar nicht ausgelegt ist. Vielleicht ein gar nicht so ungeschickter Schachzug des Traumunbewussten: Statt die Traumlandschaft vor den Augen des Träumers zu zerstören, das Weltende zum ab-sehbaren zu machen, produziert der Einschlag in unmittelbarer Nähe ein neues zusätzliches Traumbild, Verschiebung aus Verdichtung, motiviert und dämpft zugleich ,wenn auch letztlich frustran, den Übergang von Passivität in Aktivität. Davon aber gänzlich abgesehen, ist die Naturkatastrophe ehrlicher. Sie besagt, dass das Schicksal des Menschen – unabhängig von allen seinen (leider stets dialektischen) Anstrengungen der Differierung desselben – ausgemacht ist. Ausgemacht ist (so sagt jedenfalls dieser Traum):
Die Naturkatastrophe zieht die Frage nach der Ursache des Kriegs = der Verschuldung = der Schuld in die Selbstverständlichkeit einer als Schicksal/Geschick verstandenen Fraglosigkeit zurück. Wenn schon, dann Nichts. Es sind nicht irgendwelche anderen Wesen, seien es Menschen oder Außerirdische, die Krieg führen, sondern das A-Repräsentative selbst, das Entzogene, das Nichts. So aber macht der Traum aus Nichts Etwas: das repräsentierte andere jeder Repräsentativität: das Absolute, Gott. |
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| Eine unvermeidliche Assoziation des Träumers zum Stein ist der in der griechischen Mythologie von Kronos ausgespiene Stein, den er an Stelle des Zeus verschlungen hatte. Deshalb auch die eineinhalb Meter (Götter sind ja schon bei Geburt etwas größer) und die längliche Form. Gleichzeitig memorieren die stürzenden Sterne das Blut des Uranos, das einst aus jener Wunde, die Kronos seinem himmlischen Vater zufügte, auf die Erde fiel und aus dem die Erinyen und Eschennymphen (das Wäldchen?) entstanden. Wie im Fäcker-Traum wird eine objektiv-ödipale Kastration geträumt. Was Wunder, ist doch das Sehen, zumal das geträumte, selbst bereits als Schnitt zwischen Gesehenem und Sehenden die Bedingung des Weltverhältnisses. Eben dieses demonstriert die Kronos-Mythe (im Kurzschluss mit der christlichen Heilsgeschichte, wie das Datum des Traums nahelegt): Keine Welt und kein Subjekt ohne diese Form der Kastration (die der psychoanalytischen Theorie des Kastrationskomplexes der Knaben und des Penisneids der Mädchen vorausgeht, denn zunächst ist die Sicht auf die geschlechtliche Differenz und die angeblich oder wirklich damit verbundenen Phantasien eine Angelegenheit eben des Sehens). Freilich steht die visuelle Kastration unter einem Dispositionswahn, der sich hier am Himmel schlicht übernimmt.
Der kastrierte Himmel nämlich, kastriert in dem Sinn, dass seine –
ist allererst der phallische, tötungsmächtige Himmel. Die geträumte Kastration des Himmels, geträumt als Blick in den Himmel, inklusive der nachträglich erwogenen unbewussten Memoria der Kronos-Uranos-Mythe, mobilisiert das Abgeschnittene, eben die Sternschnuppen-Geschosse. |
| Zufluchtsversuch, hilflos durchaus, vom patriarchalen Stein zur naturalen Mutter, in das Pflanzenreich, mythologisch das der Eschennymphen, die aber nicht wirklich zu schützen vermögen. Versuch, zum Traumanfang zurückzukommen, den Traum- und Weltuntergang durch eine Art Neustart zu umgehen.
Jedoch ist hier die Sicht auf den Himmel durch die Baumkronen bedrohlich beeinträchtigt. Die Strategie, die Gefahr durch ihre Verdeckung zu beseitigen, im Prinzip keine unintelligente Reaktion des Unbewussten auf die Tatsache, dass es sich um Traum und nicht um Realität handelt, muss scheitern, weil durch die Abdeckung des Himmels das Wissen um die Preisgabe visueller Disposition das Gefühl der Gefahr steigert und nicht dämpft. Tatsächlich entspringt die Preisgabe dem Problem der Aktivierung des Subjekts. Bis zu diesem Punkt hat der Träumer gewissermaßen nicht in seinen Traum eingegriffen, vielmehr beobachtet, was zu beobachten war: die Industrieanlagen, die Schulklasse, die nicht zur Suche führende Abwesenheit der als anwesend gewussten Lehrerin, die sich horizontal bewegenden Sterne, von denen einige als Schnuppen in die vertikale Sturzbewegung übergingen, die Explosion in der Ferne. Die deutlichste Aktivität dabei war noch die körperliche Wendung zum Verfolgen des besonders großen Meteoriten von links über den Kopf hinweg zum zweiten Einschlag: eine Drehung um etwa 220°, nebst der anschließenden Untersuchung des Kraters. Diese Aktivität aber war nur die der visuellen Disposition; es ging nur darum, alles im Blick zu haben, wie ein hypnotisiertes Kaninchen. Nun jedoch geht es um Flucht, um Aktivität. Hatte der Traum noch im Sinn, die Aktivität des Träumers durch die Antwort auf die Frage des Träumers, Naturkatastrophe oder Krieg, zu dämpfen und damit die Dauer dieses Traumbilds zu verlängern, so geht nun die Motivierung/Motilisierung zur Aktivität gerade von der Antwort, "Naturkatastrophe", aus. Deshalb wird nun versucht, die Disposition widerzuerlangen durch Abspaltung: Nicht der Träumer blickt auf den Himmel, sondern er überlässt dieses den beiden Jungen, die als Wache das Wachen stellvertetend und also traumschützend übernehmen, freilich als ein dem Himmel dargebotenes Opfer. |
Was real völlig absurd wäre, ist im Traum – durchaus, wie sich sogleich zeigt, im disfunktionalen Bewusstsein der Hilflosigkeit dessen – zwar auch keine Lösung, aber aus anderen Gründen. Die räumliche Marge zwischen Träumer und den beiden abkommandierten Wachen soll zwischen abkommandierter Sichtung und Einschlag dem Traum Zeit zur Verschiebung, dem Träumer Zeit zum Wegspringen verschaffen, wenigstens etwas von jener Zeit, die durch die physiologische Zeit verlorengeht, rückerstatten.
Der Träumer setzt unreflektiert darauf, das Zeitquantum zwischen Perzeption und Apperzeption durch die warnende Stimme der Wache einsparen zu können. Als wenn der Warnruf die Dauer der rein visuellen Apperzeption verkürzen könnte. (Eine Musikerphantasie?) Nur dass die abgespaltene Apperzeption selbst ja mitnichten eingespart wird. Auch die doppelte Besetzung von rechter und linker Seite (rechts/links freilich in Richtung Nordwest, also Besetzung von Norden und Westen) soll wohl kaum eine Kompensation des "blinden Flecks" leisten, auch nicht der Erweiterung des Gesichtsfelds dienen oder den stereoskopischen Blick in die Tiefe des Raums verstärken. Vielmehr ist die rationale Intention der doppelten Wache die phantasmatische Beschleunigung der Apperzeption, vier Augen sehen mehr und deshalb schneller als zwei, Beschleunigung der Vor-Sicht als Entschleunigung des Traumendes. Zudem verdeckt sich die Abspaltung des Blicks auf den Himmel, die nämlich der automatisierten Industrieproduktion nachgebildet ist, an der Verdeckung des Begehrens der Disposition von Natur durch diese Abspaltung partizipiert, eben durch die Spaltung in zwei Wachen. Die Spaltung als die Verdoppelung der Wachen repräsentiert die Spaltung, statt ihres im Repräsentativen selbst waltenden Wesens zu gedenken. Zu den wichtigsten Momenten des Träumens gehört der traumlogische Konkretismus. Will nun endlich der Träumer das Heft des Handelns durch Abspaltung des Traumbildes in Form der beiden Überwachungsknaben – zudem eine Vogel-Strauß-Strategie (1. ich lasse sehen, ich sehe nicht selber, 2. ich sehe also nicht, 3. was ich nicht sehe, ist auch nicht) – in die Hand nehmen, so kontert der Traum gegen seine Enteignung mit einem Fallrückzieher: Er zieht sich, das Bombardement, buchstäblich zurück, verbirgt sich durch die Indifferenz der Helle: "Du willst mich, den Himmel, überwachen lassen? Du Narr! Das kannst du haben, ich werde alles erleuchten und nun sieh mal zu, wie deine Wache damit zurecht kommt!" Gleichzeitig zu solcher Häme des Himmels stellt sich die besagte Indifferenz der Helle zugleich als wiederum traum-referenzieller Kompromiss explizit dar: als wolkenverhangener grauer (aus Schwarz/Nacht/Himmel und Weiß/Tag/Meteorit gemischter) Himmel.
Grau, die Farbe des Steinbrockens, demnach als Versteinerung des finalen Traumbilds, so dass die Meteore – grau in grau – vor ihrem Einschlag gar nicht mehr zu sehen sein würden. So aber gibt es kein Bild mehr, nur noch das Bild dieses Unbilds seines Entzugs, in den hinein der Körper, augenaufschlagend diesen Grauschleier wegziehend erwacht. |
| Inhalt | Texte | Partituren | Bibliografie | Impressum |
| Fäcker-Konstellation | Eisenbahntraum | Eine Sache der Vernunft | Ärger mit dem Erwachen | Neurogermanistin |
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| Praktischerweise beginne man demnach die Aufschlüsselung der jeweils geträumten Bilder mit der Erstellung einer → Tabelle, deren mittlere Spalte den offenbaren Selbstdarstellungen des Träumens vorbehalten ist, allem, was auf Erhaltung, Rettung, Bewahrung, auf Vermittlung abzweckt. (Wobei zu berücksichtigen ist, dass eine solche Eintragung wegen der inneren Dialektik solcher Symbole nur eine Momentaufnahme einer Auslegungsbewegung sein kann.) |
| Rechts davon notiere man alle auf Weckung, links alle auf das Wegschlafen hinzielenden Symbole. |
| Oft genug wird man die Pointen der dialektischen Identität von rechter und linker Spalte und beider Zugehörigkeit zur mittleren, die wiederum zu ihrer Aufspaltung tendiert, erkennen können. Soll heißen: Es gibt auch in einer auf die Selbstreferenz des Gedächtnis-Phänomens Traum beharrenden Traumtheorie keinen festen Zuschreibungskanon, den man aus einem Symbol-Lexikon entnehmen könnte, sondern die Bewegung des Verstehens bestimmter Symbole erfordert stets neu das Bedenken zum einen ihrer kompensatorischen in die eine und/oder überkompensatorischen Bewegung in die andere Richtung, und zum anderen der jeweiligen Zusammenhänge mit anderen Symbolen, mit der Person des/der Träumenden aber auch mit dem Stand der Dinge. |
| Dieser hochkomplexe Kontext eines Symbols führt zur unendlichen Nuancierung der besagten Selbstdarstellung der zum Träumen gehörenden Komponenten. Weshalb die Betonung der Selbstreferenz des Träumens keineswegs zum gelangweilten Exegese-Kurzschluss eines "Es-ist-immer-das-Gleiche" führen muss, auch wenn dieses Malheur, das Erkenntnis-Chancen vorab verspielt, naheliegt. |
| Dass spannend bleibt, was im Immergleichen jeweils entscheidend anders ist, etwa, warum im einen Traum partout nicht gelingen will, was im anderen – durch die Vermittlung des zu recherchierenden anderen Kontexts – kein Problem zu sein scheint, kann zwar nicht versprochen werden, aber vieles spricht doch dafür, die Kreativität des Träumens nicht zu unterschätzen.
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← Tiefschlaf
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Erwachen →
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Nacht
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Sommernacht →
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Sommer
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Schulklasse →
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6./7. Schuljahr
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→
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wohl (?) mit einer
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Lehrerin
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← Picknick →
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Park
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→ Parkbank ←
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dunkle INDUSTRIEANLAGEN
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Sternenhimmel
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Sternschnuppen
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welcher Meteorstrom?
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ein besonders großer Meteor → → → → → → →
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Nord-Ost
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← Detonation ← ← ← ← dunkelrot
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← ← ← ← ← Feuerball → → → → →
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dunkelorange → → → → Detonation →
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(ungehört/nur gehört)
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nicht gehört = nur gesehen
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(gehört und gesehen)
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Sterne
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viele Lichtobjekte
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raketenartige Geschosse → → → → → →
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→ Von links →
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→ direkt auf uns
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→
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über meinen Kopf hinweg →
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←
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eine große Erdwelle aufwerfend
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←
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ohne zu detonieren →
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←
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rechts
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hinter mir
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→ ←
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keiner verletzt
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Alle erschrocken
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← Naturkatastrophe
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← ← ← ← Meteorit? Raketenbruchstück? → → → →
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Krieg →
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(winzig)
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eineinhalb Meter
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(riesig)
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→ → → → → → →
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ein ganz kleines Bruchstück → → → → → → →
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→ → → → → → →
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rückwärts gelegenes Waldstück
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(versus offener Park)
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(versus untergehende Industrieanlagen)
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rufe zusammen
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→ um zu beraten
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← wie wir uns nun verhalten
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zwei Jungen
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links
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vor mir
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rechts
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→ ← Stellung beziehen
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→ warnen ←
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Himmel beobachten → ←
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← nicht mehr zu sehen
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wolkenverhangen
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← hell →
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